Mögliche weitere Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden gebeten, sich zu melden

Heiningen, 22. Juni 2026
Die Pfarrei St. Petrus macht gemeinsam mit dem Bistum Hildesheim einen weiteren Fall sexualisierter Gewalt aus der Vergangenheit öffentlich. Beschuldigt wird der frühere Pfarrer Pater Joseph Christelbach SJ, der von 1965 bis zu seinem Tod im Jahr 1972 in Heiningen tätig war. Nach bisherigen Erkenntnissen liegen Aussagen von sechs Frauen vor, die berichten, dass Christelbach an ihnen im Kindesalter sexuell erhebliche Handlungen vorgenommen habe. Die Pfarrei ruft mögliche weitere Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen dazu auf, sich zu melden.

Der erste Hinweis auf Pater Christelbach als mutmaßlichen Täter erreichte Pfarrer Matthias Eggers im November 2020 über eine Person aus der Pfarrei, die Kontakt zu einer betroffenen Person hatte. Pfarrer Eggers informierte daraufhin mehrfach die Bistumsleitung und kam damit seiner Meldepflicht nach.

In einem späteren Gespräch, ein Jahr später, mit dem Leiter der Interventionsstelle stellte sich heraus, dass der Name des Beschuldigten dort zunächst nicht bekannt war. Die betroffene Person beabsichtigte zu diesem Zeitpunkt, selbst eine Meldung vorzunehmen. Die daraufhin eingeleiteten internen Recherchen des Bistums sowie Nachfragen bei der Ordensgemeinschaft ergaben zunächst keine weiteren Tatvorwürfe. Pfarrer Eggers hatte dem Bistum jedoch eigene Rechercheergebnisse zur Verfügung gestellt, die wiederholt Verhaltensweisen dokumentierten, die als typische Grooming-Strategien eingeordnet werden können.

Im April 2022 stellte die betroffene Person einen Antrag auf Anerkennung des Leids. Dieser wurde am 20. März 2023 an die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen weitergeleitet und bewilligt.

Im Februar 2025 begegnete Pfarrer Eggers einer weiteren betroffenen Person aus Heiningen. Sowohl er als auch die betroffene Person selbst erstatteten daraufhin Meldung bei der unabhängigen Ansprechperson. Der Bischöfliche Beraterstab in Fragen sexualisierter Gewalt empfahl im April 2025 die Einleitung einer Untersuchung. Im Juni 2025 beauftragte das Bistum Hildesheim den Vorsitzenden Richter am Landgericht a. D. Wolfgang Rosenbusch aus Hannover mit weiteren Nachforschungen und der Ermittlung möglicher weiterer Betroffener.

Bei einer Informationsveranstaltung im Gemeindesaal der Heininger Klosterkirche am 21.06.2021 stellte Rosenbusch die bisherigen Ergebnisse seiner Recherchen vor. Er berichtete, dass bislang sechs Frauen ausgesagt hätten, Christelbach habe an ihnen im Kindesalter sexualisierte Übergriffe verübt. Die Schilderungen umfassen unter anderem sexualisierte Berührungen sowie Verhaltensweisen, die auf ein gezieltes Annähern an Kinder hindeuten.

Aus den vorliegenden Aussagen und Erkenntnissen ergibt sich nach Einschätzung der Beteiligten, dass Christelbach Strategien verfolgte, um Kindern nahezukommen. Nach Einschätzung Rosenbuschs ist die bisherige proaktive Aufarbeitung inzwischen an Grenzen gelangt. Deshalb habe er dem Bistum empfohlen, nun einen allgemeinen Aufruf an mögliche weitere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu starten.

Die Pfarrei St. Petrus betont, dass sexualisierte Gewalt Aufklärung, Anerkennung des Leids der Betroffenen und konsequente Aufarbeitung braucht. Sie versteht es als ihren Auftrag, dazu beizutragen, dass Unrecht benannt, Schweigen gebrochen und Verantwortung übernommen wird. Räume zu schaffen, in denen Betroffene gehört werden, sei eine wesentliche Voraussetzung für Wahrheit, Gerechtigkeit sowie mögliche Wege der Linderung und Heilung.

Zugleich stellt sich die Pfarrei an die Seite der Betroffenen. Maßgeblich sei die Haltung, dass nicht die Betroffenen Scham tragen sollten, sondern die Täter und die Verantwortlichen.

Dass die Pfarrei inzwischen drei Täter aus der Vergangenheit benennen kann, versteht sie nicht als Hinweis auf eine Sonderstellung im Sinne eines „Hotspots“, sondern als Ausdruck eines ernsthaften und konsequenten Aufarbeitungsprozesses. Nach eigener Einschätzung wäre es ohne die Aussagen Betroffener und ohne das beharrliche Nachfragen der Pfarreileitung im Fall Christelbach nicht zu dieser Form der Aufarbeitung gekommen.

Die Pfarrei dankt den beteiligten Verantwortlichen auf mittlerer Ebene des Bistums für die zeitweise gute Unterstützung sowie insbesondere Richter Wolfgang Rosenbusch für seine Nachforschungen.

Hinweise und Kontakt

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die Hinweise an Wolfgang Rosenbusch geben möchten, können sich unter (0162) 156 54 94 melden.

Bis zum 1. Juli 2026 wird außerdem Pfarrer Matthias Eggers im Pfarrhaus in Heiningen wohnen und dort zu verschiedenen Zeiten für Gespräche zur Verfügung stehen. Er ist telefonisch unter (0170) 483 83 17 erreichbar.

Pressekontakt

Pfarrei St. Petrus
Christiane Kreiß (0163 6286575) oder Pfarrer Matthias Eggers, Telefon: (0170 483 83 17)

Auszug aus dem Pfarrbrief – Sommer 2026